Zukunftsjobs Energie · 5 Min. Lesezeit
Ein eingescanntes Anlagenschema lässt sich auf dem Bildschirm öffnen. Trotzdem weiß eine Software damit noch nicht, welche Pumpe zu welchem Abschnitt gehört. Sie sieht zunächst eine Zeichnung. Für ein weiterverwendbares Anlagenmodell braucht sie Bauteile, Bezeichnungen und die Verbindungen dazwischen.
Genau an dieser Übersetzung arbeitet die Forschung. Für SHK-Betriebe ist daran besonders interessant, welche Informationen sich aus vorhandenen Unterlagen gewinnen lassen und wo die fachliche Prüfung beginnt. Wer diese Unterschiede versteht, kann ein vorgeschlagenes Werkzeug gezielter beurteilen.
Ein Forschungsbeispiel aus der Gebäudetechnik
Fraunhofer ISE beschreibt im März 2026 einen Prototyp aus dem Projekt DiMASH: Verfahren der Bildverarbeitung erfassen Anlagenschemata und übertragen ihre Struktur in ein digitales Modell. Dieses lässt sich anschließend bearbeiten. Die Veröffentlichung ist ein Einblick in die Forschung und Weiterentwicklung, keine Zusage, dass beliebige Bestandspläne bereits fehlerfrei verarbeitet werden. Fraunhofer ISE: Interview vom 18. März 2026
Das Projekt lief von Januar 2023 bis Dezember 2025. Auf der Projektseite unterscheidet Fraunhofer unter anderem das Erkennen von Komponenten und Verbindungslinien sowie das Erfassen von Beschreibungen. Daraus entsteht eine strukturierte Darstellung der Anlage. Das ist ein anderer Anspruch als die Texterkennung, die ein gescanntes PDF durchsuchbar macht. Fraunhofer ISE: DiMASH
Drei Aufgaben stecken in einer Zeichnung
Symbole erkennen: Ein Verfahren muss zunächst markieren, wo ein Bauteil dargestellt ist und welchem Typ es vermutlich entspricht. Ein schlecht lesbares oder unbekanntes Symbol sollte als unklar im Ergebnis erscheinen. Eine sauber gezeichnete Umrandung ist noch kein Beleg für eine richtige Zuordnung.
Beschriftungen zuordnen: Die Zeichenfolge „P-01“ zu lesen ist eine Aufgabe. Zu erkennen, zu welchem Symbol sie gehört, ist eine weitere. Besonders eng gesetzte Beschriftungen machen den Unterschied sichtbar: Alle Buchstaben können korrekt erkannt sein, während die Zuordnung zum Bauteil trotzdem falsch ist.
Verbindungen abbilden: Für das Modell zählt außerdem, welche Elemente miteinander verbunden sind. Zwei Linien können sich in der Darstellung kreuzen. Ob dort eine Verbindung vorliegt, muss aus der verwendeten Zeichnungskonvention und Legende hervorgehen. Eine KI darf eine unklare Kreuzung nicht stillschweigend als bestätigte Verbindung behandeln.
Diese drei Aufgaben geben dir eine einfache Prüffrage für eine Vorführung: Zeigt das Werkzeug nur erkannte Wörter und Symbole, oder kannst du auch die daraus abgeleiteten Beziehungen einzeln kontrollieren?
Kleine Übung: Zwei Listen statt einer hübschen Grafik
Nimm für eine erste Besprechung ein selbst gezeichnetes, fiktives Schema. Es enthält drei eindeutig beschriftete Elemente A, B und C. Eine durchgehende Linie verbindet A mit B. In Richtung C zeichnest du bewusst eine Lücke und vermerkst „Verbindung unklar“. Es handelt sich um eine Papierübung zur Datenstruktur, nicht um die Darstellung einer ausführbaren Installation.
Für das Ergebnis brauchst du zwei Listen. Die erste beschreibt die Elemente:
| Kennung | Erkannte Beschriftung | Fundstelle | Prüfstatus |
|---|---|---|---|
| A | A | Blatt 1, links | Mit Vorlage abgeglichen |
| B | B | Blatt 1, Mitte | Mit Vorlage abgeglichen |
| C | C | Blatt 1, rechts | Mit Vorlage abgeglichen |
Die zweite beschreibt die Beziehungen:
| Ausgang | Ziel | Aussage aus der Vorlage | Prüfstatus |
|---|---|---|---|
| A | B | Durchgehende Verbindung | In dieser Übung bestätigt |
| B | C | Lücke, Hinweis „Verbindung unklar“ | Offen lassen |
Frage nun: Würde ein Export die zweite Zeile als offene Frage erhalten? Oder würde er daraus eine gewöhnliche Verbindung machen? Im zweiten Fall ginge eine entscheidende Information verloren, obwohl die fertige Grafik ordentlich aussieht.
Warum ein Anlagenmodell mehr als ein Bild ist
In einem Wissensgraphen lassen sich Elemente als Knoten und ihre Beziehungen als Verbindungen zwischen diesen Knoten darstellen. Eine gemeinsame Beschreibung der Begriffe legt fest, was die jeweiligen Typen bedeuten. Fraunhofer nutzt einen solchen Ansatz im DiMASH-Prototyp. Fraunhofer ISE: Wissensgraphen und Bestandserfassung
Für eure Prüfung heißt das: Ein Bauteil braucht eine beständige Kennung. Sonst kann beim nächsten Export unklar werden, ob zwei Einträge dasselbe Element meinen. Außerdem sollte sich eine Beziehung auf ihre Fundstelle zurückführen lassen. Das erleichtert die Korrektur, wenn eine fachkundige Person eine falsch erkannte Verbindung entdeckt.
Auch der Stand der Unterlagen gehört dazu. Ein korrekt digitalisierter älterer Plan ist noch kein Nachweis, dass die Anlage heute genauso aufgebaut ist. Bewahre deshalb Dokumentstand und Herkunft zusammen mit dem abgeleiteten Modell auf.
Vier Fragen vor einem betrieblichen Test
- Welche eigenen Planarten und Legenden kann das Werkzeug verarbeiten?
- Lassen sich unsichere Elemente und Verbindungen sichtbar offen halten und bearbeiten?
- Enthält der Export tatsächlich Elemente und Beziehungen oder nur ein neues Bild?
- Wer gleicht das Modell mit den freigegebenen Unterlagen ab und klärt deren Aktualität?
Lass dir die Antworten an einem freigegebenen Beispiel zeigen. Für einen ersten Lernversuch genügt die fiktive Zeichnung. Erst wenn Ergebnisstruktur und Prüfaufwand verständlich sind, lohnt sich die Planung eines betrieblichen Tests in einer dafür freigegebenen Umgebung.
Welche Fähigkeiten dein Team dafür braucht
Für die Bewertung eines Werkzeugs hilft es, Eingaben, erkannte Informationen und offene Fragen auseinanderzuhalten. Wer eine eigene Anwendung entwickeln möchte, muss zusätzlich überlegen, wie Bauteile, Beziehungen und Korrekturen gespeichert werden. Technische Anlagenkenntnis bleibt dafür unverzichtbar.
Die FJI-KI-Weiterbildungen unterscheiden Anwendung, Entwicklung und Automatisierung. Eine fertige Lösung zur Digitalisierung eurer Anlagenpläne ist damit nicht zugesagt. Beschreibe in der Beratung, ob du Werkzeuge beurteilen oder einen eigenen Prototyp entwickeln möchtest. Ein konkretes Lernziel ist: „Ich möchte erkennen können, ob ein digitales Modell die Bauteile und Verbindungen unserer Vorlage nachvollziehbar wiedergibt.“
Auch in Teilzeit möglich. Mitarbeitende können außerhalb der Lernzeiten weiterarbeiten. Förderung für Kurskosten und Arbeitsentgelt ansehen →
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